Antidiskriminierungsstelle des Bundes

24.11.2017 Laufende Forschung

Die ADS analysiert wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema (Anti-) Diskriminierung, führt diese zusammen und benennt Forschungslücken. Das Wissen um Formen und Ausmaß von Diskriminierungen ist wichtig, um Präventionsmaßnahmen entwickeln und so Benachteiligungen langfristig bekämpfen zu können. An dieser Stelle wollen wir Ihnen einen strukturierten Überblick über Forschungsvorhaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geben, die zurzeit durchgeführt werden, jedoch noch nicht abgeschlossen sind. Die Forschungsergebnisse haben wir für Sie nach Oberbegriffen sortiert.

Diskriminierung aufgrund des Geschlechts

Projekt „Preisdifferenzierung nach Geschlecht (Gender Pricing) in Deutschland“

Das Phänomen der Preisdifferenzierung nach Geschlecht bei Produkten und Dienstleistungen ist in den Medien stark präsent und wird in der Öffentlichkeit viel diskutiert. Ein häufig zitiertes Beispiel dafür ist der rosafarbene Rasierer, der mehr kostet als der gleiche Rasierer in blau. Preisdifferenzierung nach Geschlecht betrifft aber nicht nur Frauen: bei bestimmten Waren- oder Eintrittspreisen sind es Männer, die mehr zahlen müssen.
Um die Praxis der geschlechtsspezifischen Preisbildung näher zu untersuchen, hat die ADS eine Studie zu „Preisdifferenzierung nach Geschlecht (Gender Pricing) in Deutschland“ erstellen lassen. Ziel der Studie war es, einen systematischen und umfassenden Überblick über die Praxis des Gender Pricing in relevanten Produktgruppen und in verschiedenen Dienstleistungsbereichen in Deutschland zu erhalten. Eine der zentralen Fragen, die die Studie beantworten soll ist, ob geschlechtsspezifische Preisbildung gegen geltendes Antidiskriminierungsrecht verstößt. Aufbauend auf das juristische Gutachten sowie Expert_inneninterviews sollen im Anschluss Handlungsempfehlungen entwickelt werden.

Die Untersuchung wurde von der 2hm & Associates GmbH und Prof. Dr. Maria Wersig durchgeführt. Die Vorstellung der Ergebnisse ist für Mitte Dezember 2017 vorgesehen.


Sozialwissenschaftliche Diskriminierungsforschung

Expertise „Erhebung von Antidiskriminierungsdaten in Deutschland. Bestandsaufnahme und Entwicklungsmöglichkeiten (Arbeitstitel)“

Statistiken und Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen bilden eine wichtige Grundlage für die Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von politischen Maßnahmen. Dies gilt auch für den Bereich der Antidiskriminierungspolitik. Bisher liegt für die Forschungslandschaft in Deutschland kein systematischer Überblick vor, inwieweit diskriminierungsrelevante Fragestellungen in den großen sozialwissenschaftlichen Erhebungen berücksichtigt werden. Gleiches gilt für eine Gesamtschau der Kategorisierungen, nach denen diese Befragungen ausgewertet werden können, um somit Aussagen über das Diskriminierungsrisiko und die Vulnerabilitäten bestimmter gesellschaftlicher Teilgruppen treffen zu können.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat daher eine Expertise in Auftrag gegeben, die eine Bestandsaufnahme diskriminierungsrelevanter Fragestellungen und Kategorisierungen in sozialwissenschaftlichen Erhebungen vornehmen soll. Berücksichtigt werden dabei zum einen große themenübergreifende Wiederholungsbefragungen wie das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) oder die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS). Zum anderen sollen auch wichtige bereichs- und zielgruppenspezifische Befragungen, wie z.B. das Nationale Bildungspanel (NEPS) oder der Deutsche Alterssurvey (DEAS) in die Analyse einbezogen werden. Aus dem Bereich der amtlichen Statistik wird zudem der Mikrozensus berücksichtigt, der eine wichtige Datenquelle für die Sozialwissenschaften darstellt.
Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Bestandsaufnahme sollen bestehende Ansätze bewertet und Forschungslücken identifiziert werden. Dabei soll auch der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise neue Fragestellungen und Kategorisierungen entwickelt werden können und wie künftig eine stärkere Berücksichtigung des Themas (Anti-)Diskriminierung in sozialwissenschaftlichen Erhebungen erreicht werden kann. Zur Beantwortung dieser Fragen werden zudem Expert_innen aus Zivilgesellschaft und Forschung konsultiert.

Die Expertise wird erstellt von Vera Egenberger, Dr. Anne-Luise Baumann, Dr. Linda Supik und Dr. Alexander Tischbirek.

Diskriminierung aufgrund einer Behinderung

Rechtsgutachten „Angemessene Vorkehrungen als Diskriminierungsdimension im Recht: Menschenrechtliche Forderungen an das AGG

Das Gutachten soll den Begriff der angemessenen Vorkehrungen, wie er sich in der EU-Grundrechtecharta und der UN-Behindertenrechtskonvention findet, erschließen, sich mit seinem Verständnis in der juristischen Literatur auseinandersetzen und für das Antidiskriminierungsrecht fruchtbar machen. Aus dem internationalen Recht möglicherweise folgende Verpflichtungen des Staates und Individualansprüche betroffener Personen sollen herausgearbeitet und konkretisiert werden. Hierbei soll insbesondere das AGG auf möglichen Ergänzungsbedarf überprüft und das Verhältnis zwischen den Regelungen des AGG und denen der UN-Behindertenrechtskonvention erläutert werden. Vor allem die Bereiche außerhalb des Arbeitslebens, wie der Zivilrechtsverkehr, aber auch der Bereich öffentliche Verwaltung und Bildung, die vom AGG nicht in gleicher Weise wie der Bereich des Arbeitslebens abgedeckt sind, sollen in den Blick genommen werden.

Mit der Gutachtenerstellung wurde Prof. em. Dr. Dr. h. c. Eberhard Eichenhofer betraut. Das Gutachten wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 veröffentlicht.

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