Antidiskriminierungsstelle des Bundes

27.02.2015 Trans*

Trans* ist ein Oberbegriff, der verschiedene Menschen bezeichnet, die sich nicht beziehungsweise nicht nur mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Dazu zählen beispielsweise auch Menschen, die geschlechtsangleichende Behandlungen anstreben.  Trans* sind beispielsweise "Mann-zu-Frau" Transsexuelle oder "Frau-zu-Mann" Transsexuelle, aber auch Menschen, die sich geschlechtlich nicht verorten (lassen) möchten. Das Sternchen in der Bezeichnung soll Raum für verschiedene Identitäten lassen, wie beispielsweise transsexuell, Transmann, Transfrau, transident, Transgender,…

Das in der Gesellschaft verankerte binäre Geschlechtsmodell, das ausschließlich nur männlich und weiblich kennt, benachteiligt Menschen, die sich nicht eindeutig geschlechtlich verorten können oder wollen, und stellt deren Existenz infrage. Es führt zur Ausgrenzung derjenigen Menschen, deren Geschlecht, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck nicht den sozialen Erwartungen entspricht, und hindert sie an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Im Themenjahr "Gleiches Recht. Jedes Geschlecht." möchten wir die Öffentlichkeit für die Situation von Trans* sensibilisieren und somit der Diskriminierung entgegenwirken.

Fragen und Antworten zum Thema Trans*

Was bedeutet „trans*“?

"Trans*" ist ein Oberbegriff, der verschiedene Menschen bezeichnet, die sich nicht beziehungsweise nicht nur mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Dazu zählen beispielsweise auch Menschen, die geschlechtsangleichende Behandlungen anstreben. Trans* Menschen sind beispielsweise Mann-zu-Frau Transsexuelle oder Frau-zu-Mann Transsexuelle, aber auch Menschen, die sich geschlechtlich nicht verorten lassen (möchten). Das Sternchen in der Bezeichnung soll Raum für verschiedene Geschlechter und Identitäten lassen, wie beispielsweise transsexuell, trans* Mann, trans* Frau, transident, Transgender,…

Was verbirgt sich hinter den vielen verschiedenen Begriffen „transsexuell“, „trans* Mann“, „trans* Frau“, „transident“, „Transgender“?

Als transsexuell werden Menschen bezeichnet, die bei ihrer Geburt einem Geschlecht zugeordnet wurden, deren körperliche Erscheinung auch eindeutig männlich oder weiblich erscheint, deren Geschlechtsidentität aber damit nicht übereinstimmt (z.B. männlicher Körper – weibliche Geschlechtsidentität).
Transmann (Frau-zu-Mann): Menschen, deren Geschlechtsidentität männlich ist, deren Geschlechtseintrag aber weiblich ist.
Transfrau (Mann-zu-Frau): Menschen, deren Geschlechtsidentität weiblich ist, deren Geschlechtseintrag aber männlich ist.
transident: Synonym zu "transsexuell". Der Begriff wurde in den 1980er Jahren eingeführt, um deutlich zu machen, dass es um eine Frage der Identität geht und nicht um eine Frage der Sexualität, wie es das Wort "transsexuell" fälschlicherweise suggeriert.
Transgender sind Menschen, die sich nicht innerhalb des Zweigeschlechter-Systems ("männlich", "weiblich") verorten lassen. Manche Transgender leben zwischen den Geschlechtern, andere beschreiben sich als "weder noch" oder lehnen das Zweigeschlechter-System als solches ab. Teilweise wird der Begriff Transgender auch als Sammelbegriff ähnlich wie Trans* benutzt, vor allem im englischen Sprachraum.

Der von uns verwendete Begriff trans* soll all diese und weitere geschlechtliche Identitäten miteinschließen.

Wie viele trans* Personen gibt es in Deutschland?

Es gibt keine offizielle Angabe zur Anzahl der in Deutschland lebenden trans* Personen. Die Schätzungen reichen von 2.000 bis 100.000 Personen. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) e.V. geht von 60.000 bis 100.000 trans* Personen in Deutschland aus. Der Grund für die stark abweichenden Schätzungen sind die verschiedenen zu Grunde gelegten Definitionen von trans* Personen: Während juristische und medizinische Quellen meist nur Personen erfassen, die als transsexuell diagnostiziert wurden und Schritte zur Geschlechtsangleichung ergreifen, berücksichtigen trans* Organisationen auch die Personen, die ihren Körper medizinisch nicht verändern oder begutachten lassen.

Was sind die Probleme für trans* Personen in Deutschland und welche Diskriminierung erleben sie?

Das in der Gesellschaft verankerte binäre Geschlechtsmodell, das ausschließlich nur "männlich" und "weiblich" kennt, benachteiligt Menschen, die sich nicht eindeutig geschlechtlich verorten können oder wollen, und stellt deren Existenz infrage. Es führt zur Ausgrenzung derjenigen Menschen, deren Geschlecht, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck nicht den sozialen Erwartungen entspricht, und hindert sie an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit.

Daraus resultiert eine strukturelle Diskriminierung von trans* Personen, die sich in der standardisierten medizinischen Diagnostik und Behandlung sowie im bundesdeutschen Transsexuellengesetz (TSG) manifestiert: Transsexualität wird in Deutschland als psychische Krankheit (Geschlechtsidentitätsstörung) gewertet. Eine Änderung des Namens, Personenstands oder des Geschlechts setzt nach den bestehenden rechtlichen Regelungen des Transsexuellengesetzes eine Begutachtung durch Sachverständige voraus. In der Praxis ist dies ein sehr langwieriges und strenges Diagnoseverfahren.

Das Prozedere einer Körperveränderung ist in Deutschland mit obligatorischer Psychotherapie, Alltagstest, Kostenübernahmeverfahren und Begutachtung sehr langwierig. Häufig werden medizinische Behandlungen an trans* Personen ohne oder nur mit wenig Mitspracherecht durchgeführt. Die Behandlungen orientieren sich oft statt an persönlichen Bedürfnissen und Wünschen an sozialen Erwartungen und rechtlichen Bestimmungen und haben schwerwiegende Folgen für das Leben der trans* Personen. Beim Zugang zu medizinischen Behandlungen für trans* Personen und bedürfnisgeleiteter Unterstützung beim Wunsch einer Geschlechtsangleichung gibt es in Deutschland noch großes Entwicklungspotenzial.

In einem Bericht für die Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission wird aufgezeigt, dass trans* Personen in Europa massiver Diskriminierung in Form von Drohungen, Ausgrenzungen, sozialem Ausschluss, Spott, Beleidigungen, sowie physischer und sonstiger Gewalt ausgesetzt sind. Dies betrifft alle Bereiche des täglichen Lebens, den Zugang zu Bildung und anderen Gütern und Dienstleistungen sowie das Arbeitsleben. Laut einer Studie der europäischen Grundrechteagentur FRA haben die Hälfte der Befragten (54 Prozent) angegeben, wegen ihres trans* Seins im Jahr vor der Umfrage diskriminiert worden zu sein. Ebenfalls rund die Hälfte der Befragten gab an, in diesem Zeitraum Gewalt wegen ihres trans* Seins erfahren zu haben. 44 Prozent erlebten mehr als zwei Mal Gewalt. Auch beim Zugang zum Arbeitsmarkt und bei Karrierechancen werden trans* Personen benachteiligt. Sie sind deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen und erfahren Benachteiligungen im Beruf – z.B. Gehaltskürzungen nach erfolgter Geschlechtsangleichung oder Hindernisse beim beruflichen Aufstieg.

Im täglichen Leben hängen Diskriminierungen häufig mit der Notwendigkeit zusammen, ein offizielles Ausweispapier mit einem Geschlechtseintrag vorzulegen, der der Geschlechtsidentität nicht entspricht. Auch geschlechtsspezifische Räume wie zum Beispiel Umkleideräume oder Toiletten führen zu Diskriminierung. Darüber hinaus dokumentieren internationale Studien massive Gewaltverbrechen gegen trans* Personen. Die Studie "Transphobic Hate Crimes in the European Union" 2008 zeigt, dass in der EU 79 Prozent der Befragten bereits in der Öffentlichkeit belästigt wurden. Die Belästigungen reichten von transphoben Kommentaren bis zu körperlichem und sexuellem Missbrauch.
Das Projekt "Transrespect versus Transphobia Worldwide" dokumentiert Morde an trans* Personen. In den Jahren 2008 bis 2012 wurden weltweit 1.123 Morde an trans* Personen bekannt, 37 in der EU und zwei in Deutschland.

Wo können trans* Personen Unterstützung finden?

Trans* Personen können sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet eine kostenlose juristische Erstberatung an. Unsere Berater_innen informieren kostenlos über mögliche rechtliche Schritte bei Diskriminierung. Die Antidiskriminierungsstelle kann auch mögliche weitere Ansprechpartner_innen benennen, die unterstützend tätig werden können. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat auch die Möglichkeit, vermittelnd tätig zu werden. Weitere Beratungsstellen finden Sie in unserer Beratungsstellensuche.

Schützt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor Diskriminierungen aufgrund von trans* Geschlechtlichkeit?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts/der sexuellen Identität in Beruf und Beschäftigung sowie im Alltag. Dort findet das AGG Anwendung auf Alltagsgeschäfte wie Einkäufe, Gaststätten- oder Diskothekenbesuche, Wohnungssuche sowie Versicherungs- und Bankgeschäfte. Der Schutzgrund "Geschlecht" umfasst nicht nur Frauen und Männer, sondern auch trans* und intergeschlechtliche Personen. Nach der Gesetzesbegründung ist dieser Personenkreis durch das Merkmal "sexuelle Identität" geschützt.

Welche rechtlichen Möglichkeiten haben trans* Personen in Deutschland?

Trans* Personen können nach dem Transsexuellengesetz (TSG) ihr personenstandsrechtliches Geschlecht, das heißt die Angabe in der Geburtsurkunde und in amtlichen Papieren sowie ihren Namen ändern lassen (Verfahren siehe unten).

Ist es trans* Personen möglich ihr Geschlecht und/oder ihren Vornamen personenstandsrechtlich in Deutschland zu ändern?

Die Änderung des Geschlechts (sogenannte "große Lösung") sowie des Vornamens (sogenannte "kleine Lösung") in Deutschland ist im Transsexuellengesetz (TSG) geregelt. Das Gesetz gilt seit 1981. In den letzten Jahren hat das Bundesverfassungsgericht jedoch zentrale Vorschriften außer Kraft gesetzt, da sie mit den Rechten des Grundgesetzes auf sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit nicht vereinbar sind.

Das Geschlecht und der Vorname können nach der heutigen Fassung des Gesetzes unter den folgenden Voraussetzungen geändert werden: Die trans* Person muss einen Antrag stellen, in dem er_sie darlegt, dass er_sie "sich auf Grund ihrer transsexuellen Prägung nicht mehr dem in ihrem Geburtseintrag angegebenen Geschlecht, sondern dem anderen Geschlecht als zugehörig empfindet" und seit mindestens drei Jahren dem inneren "Zwang" folgt, "ihren Vorstellungen entsprechend zu leben". Weiterhin muss anzunehmen sein, "dass sich ihr Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird" (§ 1 Transsexuellengesetz (TSG) zur Vornamensänderung, § 8 TSG zur Personenstandsänderung). Zur Feststellung dieser Umstände holt das zuständige Gericht zwei Gutachten von Sachverständigen ein. (§ 4 TSG zur Vornamensänderung, § 9 Absatz 3 in Verbindung mit § 4 TSG zur Personenstandsänderung).

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und der bundesweite Arbeitskreis Transsexuellengesetz sprechen sich für die Abschaffung der Begutachtung und des gerichtlichen Verfahrens aus. Die Gutachten werden in der Praxis oftmals auf Grundlage subjektiver Ansichten erstellt und belasten die Betroffenen vor allem psychisch und finanziell. Weiterhin steht diese Praxis im Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht von trans* Personen, die nur selber wirklich beurteilen können, welche geschlechtliche Identität sie haben.

Wo kann ich mich weiter über die Situation von trans* Personen informieren?