Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Fragen und Antworten zu anonymisierten Bewerbungsverfahren

Wie funktionieren Bewerbungsverfahren ohne persönliche Angaben?

Wichtig ist, dass die Einladung zum Vorstellungsgespräch ausschließlich aufgrund der Qualifikation erfolgt. Bei anonymisierten Bewerbungen wird daher zunächst auf ein Foto der sich bewerbenden Person, ihren Namen, die Adresse, das Geburtsdatum oder Angaben zu Alter, Familienstand oder Herkunft verzichtet. Abgesehen davon können alle üblichen Informationen wie etwa Berufserfahrung, Ausbildung oder Motivation, abgefragt werden. An dieser Stelle gibt es keinen signifikanten Unterschied zu herkömmlichen Lebensläufen – außer dem Verzicht auf Jahreszahlen. In der ersten Auswahlrunde wird der Blick der Personalverantwortlichen ausschließlich auf die Qualifikation der Bewerbenden gelenkt. In der zweiten Phase, wenn die Einladung zum Vorstellungsgespräch ausgesprochen ist, erhalten sie vollständige Unterlagen mit persönlichen Angaben und können sich auf das Gespräch vorbereiten. Sie sitzen also nicht – wie oft angenommen wird – vor einer ihnen völlig unbekannten Person.

Wie können Unternehmen anonymisierte Bewerbungen umsetzen?

Es gibt verschiedene Methoden. Die Anonymisierung muss an die bisherigen Bewerbungsverfahren im Unternehmen angepasst werden. Je nach Arbeitsbereich kann das sehr unterschiedlich aussehen. In unserem Modellprojekt wurden sämtliche Anonymisierungsmethoden getestet und auf ihre Tauglichkeit geprüft.

Grundsätzlich gibt es drei Varianten:

  • anonymisierte Online-Bewerbungsbögen, welche passgenau die Kompetenzen, Qualifikationen und Motivation erfassen, die für die Arbeitgebenden wichtig sind,
  • einheitliche, anonymisierte Bewerbungsformulare, die Bewerbende per Download, E-Mail oder Post erhalten und ausgefüllt zurückschicken und
  • die nachträgliche Anonymisierung der herkömmlichen Bewerbungsunterlagen (durch Schwärzen oder Übertragen von Daten).

Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Viele europäische Länder haben bereits Erfahrungen mit anonymisierten Bewerbungsverfahren gesammelt. Ergebnisse eines Modellversuchs in Schweden haben zum Beispiel gezeigt: Lässt man persönliche Angaben weg, haben Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund deutlich bessere Einstiegschancen. In Ländern wie den USA--United States of America oder Kanada sind anonymisierte Bewerbungen längst gang und gäbe und auch in Belgien sind sie seit Jahren Standard im öffentlichen Sektor. Deutschland hinkt bei diesem Thema bislang hinterher.

Ziele des Pilotprojekts

Statistisch gesehen findet Diskriminierung vor allem in der ersten Phase von Bewerbungsprozessen statt, also vor der Einladung zum Vorstellungsgespräch. Hier muss jedoch Chancengleichheit gegeben sein.

Das Pilotprojekt hat dieses Ziel erfüllt: Mit anonymisierten Bewerbungen haben alle Bewerbenden die gleiche Chance, zu einem Vorstellungsgespräch oder Eignungstest eingeladen zu werden. Die Anonymisierung hilft nachweislich dabei, Diskriminierung abzubauen.

Anonymisierte Bewerbungsverfahren können außerdem helfen, neue Bewerbendengruppen zu erschließen und sicherzustellen, dass Unternehmen die qualifiziertesten Bewerbenden zum Vorstellungsgespräch einladen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes setzt daher auf Freiwilligkeit und Überzeugung, nicht auf gesetzliche Regelungen. Sie will Unternehmen anregen, ihre bisherige Bewerbungskultur zu überdenken. Das Modellprojekt wurde während der gesamten Dauer wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Aus den Ergebnissen wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die Sie hier lesen können.