Antidiskriminierungsstelle des Bundes

21.08.2012 Religion oder Weltanschauung

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) stellt durch die Formulierung in § 1 einen Zusammenhang zwischen Religion und Weltanschauung her. Ziel des Gesetzes ist es, Benachteiligungen aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Die Gemeinsamkeit zwischen Religion und Weltanschauung besteht darin, dass sie durch eine nur mit der Person des Menschen verbundene Gewissheit über Aussagen zum Weltganzen sowie zur Herkunft und zum Ziel menschlichen Lebens gekennzeichnet sind.

Die Religion legt dabei eine den Menschen überschreitende und transzendente Wirklichkeit zugrunde. Die Weltanschauung beschränkt sich auf innerweltliche Bezüge.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt vor Benachteiligungen wegen der Weltanschauung im Arbeitsrecht, während sich der Schutz für das Merkmal Religion auf das Arbeits- und das Zivilrecht erstreckt.

Bei Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung lässt es sich nicht immer unterscheiden, ob es sich um Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft oder der Religion/Weltanschauung handelt. Häufig dürfte beides zusammenkommen. Bei der Rechtsverfolgung kann diese Unterscheidung jedoch wichtig sein, da im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz der Rechtsschutz für Menschen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt werden, umfassender ist als der Rechtsschutz bei Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung.

Unter bestimmten Voraussetzungen sind Ungleichbehandlungen im Arbeitsleben wegen der Religion oder Weltanschauung zulässig. Eine evangelische Kindertagesstätte darf beispielsweise bei der Einstellung verlangen, dass die Erzieherin/der Erzieher Mitglied der evangelischen Glaubensgemeinschaft ist.