Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Fragen und Antworten zu Religion und Weltanschauung

1. Wie viele Menschen in Deutschland gehören einer Religionsgemeinschaft an?

In Deutschland leben rund 81 Millionen Menschen. Davon sind rund 56 Millionen Mitglieder einer Religionsgemeinschaft, mehr als 25 Millionen sind nicht konfessionell gebunden.

Religion / Gemeinschaftin Mio.in Prozent
Nicht konfessionell gebunden / keine Zuordnung25,031,0
Katholische Kirche24,230,0
Evangelische Landeskirchen23,028,5
Islam4,05,0
Freikirchen / Sondergemeinschaften1,72,1
Orthodoxe / orientalische Kirchen1,51,9
Neue Religionen / Esoterik0,81,0
Buddhismus0,30,3
Judentum (inkl. Personen ohne Gemeindezugehörigkeit)0,20,2
Hinduismus0,10,1

Quelle: REMID – Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V. (2015)

2. Wie schützt der Staat die Freiheit der Religion? Gibt es einen rechtlichen Schutz vor Benachteiligung?

Das Grundgesetz schützt die freie Religionsausübung aller Bürgerinnen und Bürger. Darüber hinaus sind Menschen durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz im Arbeitsleben vor Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung geschützt. Bei Diskriminierungen wegen der Religion lässt es sich nicht immer unterscheiden, ob es sich um Benachteiligungen wegen der ethnischen Herkunft oder der Religion handelt. Häufig dürfte beides zusammenkommen, beispielsweise bei einem türkischen Muslim. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Religionsgemeinschaften und ihren Einrichtungen im Arbeitsleben Ungleichbehandlungen gestattet.

3. Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es, sich gegen Diskriminierung aufgrund der Religion bzw. Weltanschauung zu wehren?

Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung am Arbeitsplatz sind verboten und müssen nicht hingenommen werden. Sie können sich im Falle einer Diskriminierung an die betriebliche Beschwerdestelle und den Betriebsrat wenden. Alle Arbeitgeber sind nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz verpflichtet, ihre Beschäftigten vor Diskriminierung durch Vorgesetzte, andere Beschäftigte oder auch Kundinnen und Kunden zu schützen.

Auch im Alltag sind Diskriminierungen wegen der Religion verboten, zum Beispiel bei der Wohnungssuche und bei Besuchen im Schwimmbad.

Im Fall einer Diskriminierung können Sie sich an uns wenden! Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir helfen Ihnen gern! Sie erhalten bei uns eine kostenlose und vertrauliche Erstberatung.

4. Ist die Ablehnung von Bewerberinnen und Bewerbern durch Arbeitgeber aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen verboten?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung im Arbeitsleben. Der Schutz erstreckt sich auf den gesamten Arbeitsbereich: vom Zugang zu einem Beruf über das Beschäftigungsverhältnis bis hin zur Kündigung.

In § 9 des AGG ist allerdings eine Ausnahme von diesem Gleichbehandlungsgrundsatz vorgesehen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften und ihren Einrichtungen im Arbeitsleben Ungleichbehandlungen gestattet. Die Gerichte haben allerdings noch nicht abschließend geklärt, wie weit diese Ungleichbehandlungen gehen dürfen.

5. Wo kommt Diskriminierung muslimischer Menschen am häufigsten vor?

In Deutschland leben ca. vier Millionen Musliminnen und Muslime. Sie stellen nach den christlichen Kirchen zwar die zweitgrößte religiöse Gruppierung in Deutschland, machen jedoch lediglich fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Angehörige dieses Glaubens sind in Deutschland und Europa zunehmend von Ausgrenzung, Diskriminierung und rassistischer Gewalt betroffen. Das zeigen Berichte der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) und des Ausschusses für die Beseitigung rassistischer Diskriminierung (CERD) der Vereinten Nationen.

Antimuslimischer Rassismus richtet sich gegen Menschen, denen eine muslimische Religionszugehörigkeit zugeschrieben wird. Betroffen sind also nicht nur gläubige Musliminnen und Muslime, sondern alle, bei denen aufgrund bestimmter äußerlicher Merkmale, wegen ihrer Herkunft oder Kultur, ein islamischer Glaube vermutet wird. Untersuchungen im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes haben ergeben, dass muslimische Schülerinnen und Schüler bei gleicher Leistung weniger häufig eine Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums erhalten und überdurchschnittlich oft eine Förderschule besuchen. (Quelle: Zweiter Gemeinsamer Bericht zum Thema "Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben"). Im Berufsleben wird muslimischen Menschen ein unterdurchschnittliches Qualifikationsniveau und geringe Leistungsfähigkeit unterstellt. Außerdem wird oft angenommen, dass Kolleginnen und Kollegen oder Kundinnen und Kunden negativ auf muslimische Mitarbeitende reagieren könnten.

Von den Anfragen, die bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Thema Religion oder Weltanschauung eingehen, bezieht sich der überwiegende Teil auf Diskriminierungen im Beruf und Alltag wegen des muslimischen Glaubens.

6. Welche Rolle spielt das Kopftuch im Arbeitsleben?

Schätzungsweise 28 Prozent der in Deutschland lebenden Musliminnen trägt ein Kopftuch. Das ergab eine Untersuchung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge aus dem Jahr 2009. Rund jede zweite Frau, die ein Kopftuch trägt, fühlt sich wegen ihres Kopftuchs einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zufolge von der Gesellschaft diskriminiert.

Die meisten Anfragen, die bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zum Thema Diskriminierung wegen der Religion am Arbeitsplatz eingehen, kommen von Frauen, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen.

7. Wo kommt Diskriminierung von Jüdinnen und Juden am häufigsten vor?

Antisemitismus wird in Deutschland oft als Randerscheinung oder als überwunden angesehen. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2015 zufolge denken 77 Prozent der befragten Personen, dass in Deutschland negative Einstellungen gegenüber den Juden nur selten oder gar nicht anzutreffen sind. Auf der anderen Seite hegen rund zehn Prozent der Deutschen einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge, antisemitische Haltungen.

An die Antidiskriminierungsstelle des Bundes haben sich beispielsweise Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewandt, die sich von Dritten wegen ihres jüdischen Glaubens gemobbt fühlten.

Polizeilich wurden im Jahr 2013 laut Bundesregierung 1.275 antisemitische Übergriffe erfasst. Von ihnen wurden 1.218 als rechtsextremistisch motiviert eingestuft. Von den Übergriffen wurden lediglich 268 zur Anzeige gebracht. Es wird angenommen, dass die Dunkelziffer antisemitischer Übergriffe deutlich höher ist.

8. Wo kommt Diskriminierung von nicht konfessionell gebundenen Menschen vor?

31 Prozent der Deutschen sind nicht konfessionell gebunden. Benachteiligung zeigt sich hier weniger häufig als beispielsweise bei Menschen muslimischen Glaubens. Dennoch erleben auch sie negative Auswirkungen. Arbeitgeber in religiös gebundenen Einrichtungen verlangen von ihren Mitarbeitenden die Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft. Nicht konfessionell gebundene Menschen müssen in einem solchen Fall mit einer Ablehnung rechnen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Diskriminierungen wegen der Religion oder Weltanschauung im Arbeitsleben. In § 9 des AGG ist allerdings eine Ausnahme von diesem Gleichbehandlungsgrundsatz vorgesehen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften und ihren Einrichtungen im Arbeitsleben Ungleichbehandlungen gestattet. Die Gerichte haben allerdings noch nicht abschließend geklärt, wie weit diese Ungleichbehandlungen gehen dürfen.