Coming-out im Fußball: Christine Lüders kritisiert DFB-Kapitän Lahm
Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Christine Lüders hat DFB-Kapitän Philipp Lahm für Äußerungen kritisiert, in denen er schwulen Profifußballern geraten hatte, ihre sexuelle Orientierung geheim zu halten. Beim DFB-Dialogforum "Vor dem Ball sind alle gleich - Sexuelle Identitäten im Fußball" in der Sportschule Hennef sagte Lüders: "Ich denke, es war ein Fehler von Philipp Lahm, das zu sagen."
Sie äußerte die Befürchtung, dass schwule Spieler durch die Aussage Lahms von einem Coming-out abgehalten werden könnten. Gerade als Nationalspieler hätte Lahm zum Coming-out aufrufen müssen.
Lüders lobte darüber hinaus die Verdienste des DFB-Präsidenten Theo Zwanzigers, der Anfang März zurücktreten will und von Wolfgang Niersbach abgelöst werden soll: "Wir brauchen viele Zwanzigers. Wir sind froh, dass er das Thema so angetrieben hat. Ich hoffe, dass sein Nachfolger das Engagement weiterführt."
Der DFB hatte rund 60 Teilnehmer in die Sportschule Hennef zu einem zweitägigen Dialogforum eingeladen, darunter Lüders, DFB-Präsident Theo Zwanziger, die ehemalige Bundesligaspielerin und Sonderpädagogin Tanja Walther-Ahrens, den Konfliktforscher Professor Gunter A. Pilz, den Fußballer und Buchautor Marcus Urban ("Versteckspieler") und den ehemaligen US-Basketball-Profi John Amaechi.
Auch Amaechi kritisierte Lahm: "Er muss doch ein Vorbild sein in seinem Äußerungen oder er muss den Mund halten". Amaechi sagte in seiner Auftaktrede: "Der Fußball muss sich um diese Frage kümmern. Rassismus und Sexismus sind zwei Köpfe des gleichen Monsters". Er absolvierte knapp 300 Spiele in der nordamerikanischen Baskettball-Profiliga NBA. 2007 ging er durch die Veröffentlichung seiner Autobiografie "Man in the Middle" mit seiner Homosexualität an die Öffentlichkeit.


