Antidiskriminierungsstelle des Bundes

01.11.2016 Fachveranstaltung zu religiöser Verfolgung und Diskriminierungsschutz

Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht - doch weltweit werden Menschen wegen ihrer Religion verfolgt und benachteiligt. Im Themenjahr 2016 "Freier Glaube. Freies Denken. Gleiches Recht." hat sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einem Fachgespräch damit befasst, vor welchen Herausforderungen Deutschland beim Schutz geflüchteter Menschen vor Diskriminierung aufgrund der Religion steht.

Bildbeschreibung: Herr Prof. Heiner Bielefeldt hält einen Einführungsvortrag zum Thema ""Religionsbezogene Diskriminierung. Einschätzungen aus Sicht der Vereinten Nationen" vor einer Gruppe von Teilnehmern der Fachtragung.Veranstaltung "Geflohen vor religiöser Verfolgung - Herausforderungen an den Diskriminierungsschutz in Deutschland" Quelle: Ingo Heine ADS-Veranstaltung "Geflohen vor religiöser Verfolgung"

Die Veranstaltung am 1. November sollte einen Überblick über religiöse Verfolgung als Fluchtgrund geben und eine Diskussion über Auswirkungen für den Diskriminierungsschutz in Deutschland anstoßen. Den Einführungsvortrag "Religionsbezogene Diskriminierung. Einschätzungen aus Sicht der Vereinten Nationen" hielt Prof. Heiner Bielefeldt, bis Ende Oktober Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats. Bielefeldt betonte in seinem Vortrag, bei Religionsfreiheit gehe es darum, Raum zu schaffen für Menschen, damit sie ohne Angst und Diskriminierungen ihre Religiosität ausdrücken können. Er warnte zugleich vor einer Abschottung westlicher Staaten vor muslimischen Zuwanderern, indem man sich auf eine jüdisch-christliche Kultur berufe, "als wäre dieses Verhältnis über 2000 Jahre von Harmonie geprägt gewesen". Er forderte, die Debatte um Religion ohne Tabuisierungen, aber fair und präzise zu führen. Zugleich warnte Bielefeldt davor, Muslime in Deutschland «einer fatalen Logik des Verdachts» auszusetzen. Von ihnen werde immer wieder ein Sonderbekenntnis zur Verfassung abverlangt, kritisierte Bielefeldt.

In einer Diskussionsrunde gingen die Teilnehmer unter anderem der Frage nach, welche Auswirkungen die religiöse Verfolgung in den Herkunftsländern auf die Situation der Geflüchteten in Deutschland hat oder ob sich religiöse Diskriminierung mitunter auch erst im Zielland äußert, etwa vor dem Hintergrund der wachsenden Islamfeindlichkeit in Deutschland. Daneben ging es darum, wie Geflüchtete in Deutschland vor religiöser Diskriminierung geschützt werden können. Auf dem Podium diskutierten neben Prof. Bielefeldt Daniel Abdin von Schura Hamburg e.V., Johannes Brandstaeter von Diakonie Deutschland e.V. sowie Thomas Kreitschmann vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Moderiert wurde die Veranstaltung von der Journalistin Canan Topçu. Eine Dokumentation wird im Laufe der kommenden Wochen veröffentlicht.