Antidiskriminierungsstelle des Bundes

15.12.2016 Antidiskriminierungsstelle stärkt Beratungsangebot für Geflüchtete und Neuzugewanderte

Mit einem Ratgeber für Geflüchtete und Neuzugewanderte sowie einem Ausbau des Beratungsangebots reagiert die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) auf die steigende Zahl von Diskriminierungserfahrungen wegen der ethnischen Herkunft. "Der Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes gilt für alle Menschen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus", betonte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, vor dem „Internationalen Tag der Migranten“ am 18. Dezember.

In dem Ratgeber erläutert die Antidiskriminierungsstelle, was Diskriminierung ist, welche rechtlichen Grundlagen es gibt, um gegen Benachteiligung vorzugehen, und verweist auf Unterstützungs- und Hilfsangebote. Der Ratgeber ist in gedruckter Fassung auf Deutsch, Arabisch und Englisch verfügbar und in sieben weiteren Sprachen online abrufbar (Dari/Farsi, Französisch, Kurdisch, Paschto, Russisch, Serbisch und Türkisch). Die Antidiskriminierungsstelle bietet außerdem nun auch eine Beratung auf Arabisch an.

Geflüchtete Menschen in Deutschland berichten vielfach von Diskriminierungen. Das unterstreicht eine nicht repräsentative Befragung der Antidiskriminierungsstelle von Anlauf- und Beratungsstellen sowie von Geflüchteten. Besonders häufig erleben diese nach Aussage der Mitarbeitenden der Beratungsstellen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt (80 Prozent), bei Ämtern und Behörden (68 Prozent), im Arbeitsleben (64 Prozent) sowie beim Zugang zu Waren und Dienstleistungen (52 Prozent). "Jeder Mensch hat das Recht auf eine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben", sagte Lüders anlässlich dieser Ergebnisse. "Wenn geflüchtete Menschen bei Vermietern, auf Arbeitssuche, im Supermarkt und auf der Straße ausgegrenzt und benachteiligt werden, dann ist das ein massives Integrationshindernis."

Um einen Überblick über die Diskriminierungsrisiken für Geflüchtete in Deutschland zu bekommen, hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes Beschäftigte und Ehrenamtliche in Migrations- und Flüchtlingsberatungen, Jugendmigrationsdiensten und weiteren Organisationen der Flüchtlingshilfe befragt. Insgesamt haben sich mehr als 250 Organisationen beteiligt. Daneben wurden 20 exemplarische qualitative Interviews mit Geflüchteten geführt, um individuelle Diskriminierungserfahrungen miteinzubeziehen. Befragt wurden Personen mit Bleibeperspektive, die bereits mindestens 4 Monate und maximal 4 Jahre in Deutschland leben. Die Befragungen geben Hinweise darauf, wo Diskriminierungsrisiken vorhanden sind und welche Unterstützung Geflüchtete und Initiativen benötigen.

Knapp neun von zehn der befragten Stellen (88 Prozent) gaben an, dass Geflüchtete im Gespräch von Diskriminierungserfahrungen berichten. 85 Prozent der Beschäftigten und Ehrenamtlichen erleben darüber hinaus bei ihrer Arbeit selbst, dass geflüchtete Menschen diskriminiert werden. Die Benachteiligungen finden überwiegend aufgrund der ethnischen Herkunft bzw. aus rassistischen Gründen, aber auch aufgrund der Religion und des Geschlechts statt. Die Erfahrungen reichen dabei von Mobbing über die Verwehrung von Leistungen bis hin zu verbalen und körperlichen Anfeindungen: So haben drei Viertel der Stellen die Erfahrung gemacht, dass Schutzsuchenden eine Leistung verwehrt oder der Abschluss eines Vertrags verweigert wurde, etwa bei der Eröffnung eines Bankkontos oder beim Einlass in Diskotheken. Etwa die Hälfte der Einrichtungen berichtet von Situationen, in denen Geflüchtete beleidigt oder beschimpft wurden, ein Viertel weiß von gewalttätigen Übergriffen.

Die Broschüre und weitere Informationen für Geflüchtete finden Sie hier.

Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.