Antidiskriminierungsstelle des Bundes

22.06.2017 Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Der „Spiegel“ und der „Bayerische Rundfunk (BR)“ haben eine große Studie zu Diskriminierung am Wohnungsmarkt veröffentlicht. Die Ergebnisse decken sich mit den Beratungserfahrungen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und anderen Stellen: Rassistische Diskriminierung am Wohnungsmarkt ist ein großes und weithin unterschätztes Problem.

Bildbeschreibung: Auf einem Klingelbrett sind  Namen verschiedener Mieter abgebildet. Quelle: ADS Klingelschild

„Wer einen Namen hat, der in den Ohren von Vermieterinnen und Vermietern nicht ‚deutsch genug‘ klingt, für den sieht es auf dem Wohnungsmarkt zunehmend schlecht aus“, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, anlässlich der Studie. Je angespannter der Wohnungsmarkt, desto größer sei das Risiko für Diskriminierung: „Wir sehen auch einen Trend, dass bestimmte Gruppen, Nationalitäten oder Asylsuchende von vornherein in Wohnungsanzeigen ausgeschlossen werden. Wir rufen ganz deutlich dazu auf, das nicht hinzunehmen und sich Unterstützung zu suchen. Grundsätzlich darf niemand Wohnungssuchende wegen der ethnischen Herkunft oder aus rassistischen Gründen, zum Beispiel wegen der Hautfarbe, einen Besichtigungstermin verwehren oder einen Mietvertrag verweigern. Hier greift das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz: Dem Wohnungssuchenden steht gegebenenfalls Schadensersatz oder eine Entschädigung zu.“

Die Untersuchung von „Spiegel“ und „Bayerischem Rundfunk“, für die 20.000 fiktive Wohnungsanfragen verschickt wurden, zeigt: Wohnungssuchende mit türkischem oder arabischem Namen werden besonders stark diskriminiert. Sie gingen in jedem vierten Fall leer aus, in dem ein deutscher Interessent eine positive Rückmeldung auf seine Anfrage erhielt.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat einen Leitfaden für Betroffene und Beratungsstellen veröffentlicht, der rechtliche Möglichkeiten erläutert, sich gegen Diskriminierung zur Wehr zu setzen. In einem Forschungsprojekt hat die ADS außerdem beleuchtet, wie Diskriminierung bei der Wohnungsvergabe sichtbar gemacht werden kann, denn der Nachweis ist häufig schwer. Testings können ein gutes Mittel sein, das in einem Gerichtsverfahren Anhaltspunkte für eine Diskriminierung liefert. In jedem Fall empfiehlt die ADS jedoch, sich vor der Entscheidung zu einem solchen Schritt beraten zu lassen.

Den Leitfaden „Fair mieten – fair wohnen“ finden Sie hier:

Die ADS-Expertise „Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Strategien zum Nachweis rassistischer Benachteiligungen finden Sie hier:

Zur Studie von Spiegel und BR hier: