Antidiskriminierungsstelle des Bundes

06.12.2017 Studie der EU-Grundrechteagentur: Rassistische Diskriminierung weiter verbreitet – rechtlicher Schutz nicht ausreichend

Eine EU-weite Befragung von mehr als 25.000 Menschen mit Migrationshintergrund stellt fest: Erfolge bei der Bekämpfung von Hass und Ausgrenzung gibt es noch viel zu selten.

Studie der EU-Grundrechteagentur: Rassistische Diskriminierung weiter verbreitet Quelle: FRA -Agentur der Europäischen Union für Grundrechte Studie der EU-Grundrechteagentur: Rassistische Diskriminierung weiter verbreitet

Wie die Studie der EU-Grundrechteagentur FRAergibt, wurden 38 Prozent der Befragten in den vergangenen fünf Jahren Opfer von Diskriminierung. Menschen aus Nordafrika (45 Prozent), Roma (41 Prozent) und Menschen aus Ländern südlich der Sahara (39 Prozent) waren besonders betroffen. Am häufigsten (40 Prozent) kam es bei der Arbeitssuche zu einer Diskriminierung.

Erfahrungen mit Diskriminierung, Hass und sogar Gewaltakte werden von Betroffenen nur sehr selten gemeldet. Nur 12 Prozent reichten eine Beschwerde im aktuell letzten Diskriminierungsfall ein. 89 Prozent der durch Hass motivierten Gewaltakte wurden nicht gemeldet. Als Gründe führten sie an, dass eine Beschwerde nichts ändern würde (insbesondere im Arbeitsleben und bei Dienstleistungen), dass die eigene Erfahrung zu „trivial“ sei, um sie zu melden (insbesondere in der Ausbildung und bei Erfahrungen in öffentlichen Verkehrsmitteln) oder aus Angst vor negativen Konsequenzen (besonders in der Schule). 71 Prozent kennen nach eigenen Angaben keine Organisationen, die sie bei Diskriminierung unterstützen können.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland mehr tun muss, um Menschen vor Diskriminierung zu schützen“, sagte Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. „Von rassistischer Diskriminierung betroffene Menschen müssen wissen: Ihnen geschieht Unrecht, und dagegen lässt sich etwas tun. „Wir brauchen aber einen wirksameren rechtlichen Schutz vor Diskriminierung.“ Lüders verwies auf die im vergangenen Jahr veröffentlichte Evaluation des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Diese fordert unter anderem die Einführung eines Verbandsklagerechts, damit Betroffene ihr Recht nicht allein vor Gericht erstreiten müssen.

In Deutschland wurden knapp 919 Personen mit türkischem Migrationshintergrund und 500 Personen mit Migrationshintergrund aus Subsahara-Afrika befragt. Menschen mit türkischem Migrationshintergrund wurden im EU-Vergleich etwas seltener diskriminiert (18 Prozent, EU-Durchschnitt 20 Prozent). Frauen fühlten sich allerdings stärker aufgrund ihrer Religion diskriminiert als Männer (21 Prozent versus 16 Prozent). Etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) kennen eine Stelle, an die sie sich bei Diskriminierung wenden können.

Deutlich stärker als im EU-Durchschnitt erleben Menschen mit Migrationshintergrund aus Subsahara-Afrika Diskriminierung (33 Prozent, EU-Durchschnitt 24 Prozent). Aufgrund ihrer Hautfarbe haben in den vergangenen fünf Jahren 37 Prozent Diskriminierung erfahren (EU-Durchschnitt 27 Prozent). Diese Erfahrungen machten sie vorwiegend im Bereich der öffentlichen und privaten Dienstleistungen, während der Arbeit und im Bildungsbereich.

Link zur FRA-Studie: Second European Union Minorities and Discrimination Survey