Antidiskriminierungsstelle des Bundes

19.02.2018 „Es geht um Macht. Und um Machtmissbrauch“ – Podiumsdiskussion zu #MeToo und den Folgen

Die angekündigte Beschwerdestelle für die Filmbranche ist ein wichtiges Signal gegen sexuelle Belästigung. Aber damit ein tiefer greifender Kulturwandel gelingt, müssen Film- und Fernsehproduktionen „weiblicher“ werden – das heißt mehr Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Produzentinnen und mehr Frauen gerade auch in Führungsfunktionen von Sendern und Produktionsfirmen.

Auf dem Foto spricht die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, vor dem Publikum der Veranstaltung "Kultur will Wandel". Im Hintergrund sind die Diskussionsteilnehmer zu erkennen. Quelle: ADS "Kultur will Wandel" - Podiumsdiskussion zu sexualisierter Gewald und Belästigung in der Filmbranche

Und es bedeutet auch: Vielfältigere weibliche Rollenbilder in den Drehbüchern. Das war der Tenor der Podiumsdiskussion „Kultur will Wandel“, die die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der Bundesverband Schauspiel BFFSund Pro Quote Film gestern am Rande der Berlinale veranstaltet haben.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, unterstrich in ihrem Grußwort, dass es bei #MeToo nicht um Sex und Skandale, sondern um Macht und Machtmissbrauch gehe. „Den Missbrauch von Macht durch unerwünschte sexuelle Belästigungen kennen viele Frauen in Deutschland aus eigener Erfahrung in ihrem eigenen Arbeitsumfeld“, so Lüders, auch außerhalb der Filmbranche. Aber die spezifischen Bedingungen dort könnten es Tätern einfacher machen zu belästigen – „weil sie keine Sanktionen zu fürchten haben und letztlich niemand ihnen sagt, dass es gesetzeswidrig ist, was sie tun.“

Gerade deshalb, knüpfte Bundesfrauenministerin Katarina Barley an, sei es „wichtig, mit der #metoo-Debatte einen Schritt weiterzugehen und sich zu fragen: Was können wir tun, damit sich etwas ändert? Ich bin sicher, dass sich der Umgang beim Film und im Fernsehen ändert, wenn dort mehr Frauen verantwortliche Positionen haben.“ Barley stützte ausdrücklich Forderungen nach einer Frauenquote im Filmgeschäft.

Auf dem Podium diskutierten anschließend die Schauspielerinnen Jasmin Tabatabai und Natalia Wörner, Hans-Werner Meyer vom BFFS, Barbara Rohm von Pro Quote Film, SR-Intendant Thomas Kleist, die stellvertretende ZDF-Programmdirektorin Heike Hempel und Michael Lehmann von der Studio Hamburg Produktionsgesellschaft. Moderiert wurde die Veranstaltung von Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.