Antidiskriminierungsstelle des Bundes

03.09.2014 Studie: Unwissenheit und teils offene Ablehnung prägen Bild von Sinti und Roma – Dringender Handlungsbedarf für Politik und Gesellschaft

Jede und jeder dritte Deutsche lehnt Sinti und Roma als Nachbarn ab. Das ist ein Ergebnis einer umfassenden Großstudie zu Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma, die am 3. September von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) vorgestellt wurde.  Demnach sind Unwissenheit und teils offene Ablehnung verbreitet. Die ADS und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma leiten daraus klare Handlungsempfehlungen ab.

In der Erhebung "Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma" werden Vorurteile gegenüber Europas größter Minderheit sowie das Wissen über diese Minderheit untersucht und Empfehlungen zum Abbau von Diskriminierungen gegeben.

Im Vergleich zu anderen Minderheiten wird Sinti und Roma die mit Abstand geringste Sympathie entgegengebracht, wie die Studie ergab. Jede/r zweite Befragte denkt, dass Sinti und Roma durch ihr Verhalten Feindseligkeit in der Bevölkerung hervorrufen.

"Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma den Boden bereiten", warnte ADS-Leiterin Christine Lüders bei der Vorstellung der Studie. Sinti und Roma würden von einem beträchtlichen Teil der deutschen Bevölkerung nicht als gleichberechtigte Mitbürgerinnen und Mitbürger wahrgenommen. Die Befunde seien dramatisch und der Handlungsbedarf von Politik und Gesellschaft erheblich.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, zeigte sich besorgt angesichts der tiefsitzenden Vorurteile. Rose kritisierte: "Maßgebliche Politiker nutzen in der Debatte um angebliche Armutszuwanderung wider besseres Wissen das Feindbild von Roma aus und instrumentalisieren damit einen massiven Antiziganismus."

ADS und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderten in ihren gemeinsamen Handlungsempfehlungen regelmäßige Erhebungen von Diskriminierungserfahrungen von Sinti und Roma. Wichtig sei auch der Aufbau einer Bildungsakademie für Sinti und Roma, eine verstärkte Beteiligung von Selbstorganisationen mittels Staatsverträgen und die Mitarbeit in Gremien und Rundfunkräten sowie einen verbesserten Schutz vor Benachteiligungen durch Behörden und Polizei.

Die Studie "Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung – Bevölkerungseinstellungen gegenüber Sinti und Roma" wurde vom Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin) und dem Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V. erarbeitet. Sie finden sie hier.

Die Präsentation der Forschungsergebisse als PDF-Datei zum Herunterladen finden Sie hier.