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Internationaler Coming Out Tag
ADS-Leiterin Lüders: „Schulen müssen ein sicherer Ort für lesbische, schwule und transidente Jugendliche werden.“

Zum internationalen Coming Out Tag am 11. Oktober fordert die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) entschiedenes Eingreifen von Lehrerinnen und Lehrern gegen homophobes Mobbing und gibt Empfehlungen zur Verbesserung der Situation.

Ausgabejahr
2011
Datum
10.10.2011

„Die Diskriminierung, die lesbische, schwule und transidente Jugendliche an deutschen Schulen erleiden, ist mit dem Fürsorgeauftrag von Erziehungs- und Bildungseinrichtungen nicht vereinbar“, sagte Christine Lüders anlässlich des Coming Out Tags in Berlin. „Das Coming Out ist leider noch immer sehr belastend für lesbische, schwule und transidente Jugendliche.“ So besagt etwa eine aktuelle Umfrage der Landeshauptstadt München, dass rund 90 Prozent der Jugendpädagogen davon ausgehen, dass Jugendliche nicht problemlos zu ihrer homosexuellen Identität stehen können.

„Die wenigen Untersuchungen, die es dazu gibt, weisen auf dramatische Folgen hin“, sagt Lüders. Eine höhere Selbstmordrate, größere Anfälligkeit für Depressionen und Beeinträchtigung der schulischen Leistungen seien die Folge. „Institutionen, in deren Obhut sich Jugendliche befinden, müssen sicherstellen, dass alle Jugendlichen sich ohne Angst selbstbestimmt entfalten können“, sagt Lüders.

Autoritäten in Schulen, Sportvereinen, Seelsorge und Familienberatungen seien gefordert, lesben- und schwulenfeindliche Beleidigungen und Ausgrenzung zu unterbinden. „Wenn eine Schülerin oder ein Schüler ,schwule Sau‘ sagt, dann müssen Lehrerinnen und Lehrer eingreifen, so wie sie auch eingreifen, wenn es zu antisemitischen oder rassistischen Beleidigungen kommt“, sagte Lüders. Anderenfalls kämen unsere Schulen ihrer Fürsorgepflicht gegenüber schwulen und lesbischen Schülerinnen und Schülern nicht nach.

Konkret empfiehlt Lüders drei Maßnahmen zur Verbesserung der Situation:

  1. Pädagogisches Personal muss geschult werden, um angemessen auf diskriminierende Äußerungen und Gewalt zu reagieren. Dies betreffe Schulen, Sportvereine, Seelsorge und Familienberatungseinrichtungen.

  2. Schulen müssen Ansprechpartner für lesbische. schwule und transidente Schülerinnen und Schüler benennen.

  3. Die Vielfalt sexueller Orientierungen und Identitäten muss sachgerecht und unvoreingenommen im Unterricht thematisiert werden. Schulen können dafür auf bewährte Initiativen zurückgreifen, die Workshops für Schülerinnen und Schüler anbieten.

Lüders bekräftigte ihre Forderung, gesetzliche Ungleichbehandlungen endlich komplett zu beenden und das Merkmal sexuelle Identität im Artikel 3 der Verfassung zu verankern. „Jedes Schulkind, das unsere Verfassung das erste Mal liest, muss verstehen: Diskriminierung von Lesben, Schwulen und transidenten Menschen steht den Werten unseres Landes genauso entgegen wie Rassismus, die Diskriminierung von Frauen oder von Behinderten.“

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) war mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 errichtet worden. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.