Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Grußwort von Christine Lüders bei der Eröffnung der Messe Jobaktiv Rheinland

Anfang 12.11.2012
Ort Palladium Köln, Schanzenstr.40, 51063 Köln-Mülheim

Sehr geehrte Herren Minister,
sehr geehrte Frau Schönefeld,
sehr geehrte Damen und Herren,

gut, dass es diese Messe gibt. Und gut, dass sie Köln ist, der deutschen Hauptstadt für Toleranz und Gleichbehandlung. „Jeder Jäck‘ ist anders“ – Sie alle kennen das rheinische Grundgesetz. Manche tun das als Brimborium ab, als Geschwätz. Das ist es nicht. Im Gegenteil. Es ist eine Haltung, die ich mir überall wünschen würde. Weil sie zeigt, dass es nicht auf die Herkunft eines Menschen ankommt,sondern auf seine Eigenschaften.

Menschen und ihre Eigenschaften zusammenbringen – das haben sich die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen und die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit vorgenommen, und das ist gut so. Sie zeigen damit, dass Job-Vermittlung eben nicht nur bedeutet, im Jobcenter eine neue Stelle anzubieten – sondern dass Jobs von Menschen für Menschen angeboten werden. Hier kommen Personalchefs und Jobsuchende ins Gespräch, hier können Kontakte geknüpft und Vorurteile abgebaut werden.

Besonders freue ich mich darüber, dass die Jobaktiv ihren Schwerpunkt auf Menschen mit Migrationshintergrund
legt. Hier wird wunderbar deutlich, wie wichtig mehr und mehr Unternehmen das Thema Vielfalt nehmen. Die große Zahl der beteiligten Betriebe hier zeigt das ganz eindrucksvoll: Vielfalt im Betrieb zahlt sich aus. Erst kürzlich hat es dazu eine große Studie der Unternehmensberatung Roland Berger gegeben. Die hat gezeigt, dass durch mehr Vielfalt bei Einstellungen und Beförderungen allein in den für Deutschland so wichtigen Traditionsbranchen wie Energie, Chemie oder Maschinenbau bis zu 21 Milliarden Euro Effizienzgewinne erzielt werden können – und zwar im Jahr!

Vielfalt sollte in den Personalmanagement-Modellen der Zukunft eine Schlüsselrolle zukommen: Sie steigert den Gewinn von Unternehmen und ist die richtige Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel. Mehr Vielfalt in Unternehmen – ganz besonders dazu beitragen kann aus meiner Sicht auch ein Instrument, das international längst Standard ist: Das anonymisierte Bewerbungsverfahren. Wir von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes haben dazu bundesweit ein Pilotprojekt auf den Weg gebracht.

Auch Sie, liebe Frau Schönefeld, und Ihre Kollegen von der Regionaldirektion haben daran teilgenommen. Die Ergebnisse dabei waren eindeutig: In diesem Verfahren steht die Qualifikation des Bewerbenden im Mittelpunkt – und nicht das Aussehen, das Alter das Geschlecht oder der Klang des Namens.

Es ist die traurige Wahrheit, dass in Deutschland allein ein türkischer Name in der Bewerbungsmappe die Chance auf ein Bewerbungsgespräch um bis zu 24 Prozent mindert. Ich finde, das ist ein Skandal. Und dagegen müssen wir etwas unternehmen. Zum Beispiel anonymisierte Bewerbungsverfahren. Nur mit diesem Verfahren haben alle die gleichen Chancen.

Und so ist es auch kein Wunder, dass Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Pilotprojekt im Vergleich mit klassischen Bewerbungsverfahren eine größere Chance auf eine Einladung bekommen haben.
Nun sagen mir Skeptiker, die das Verfahren nicht gut kennen: „Aber wer wirklich diskriminieren will, der tut das dann eben im Bewerbungsgespräch“.

Da sage ich: Genau das ist eben nicht so, und das zeigt mir auch diese Messe hier. Denn Diskriminierung im Arbeitsleben findet in den allermeisten Fällen eben nicht im persönlichen Gespräch, sondern im Vorfeld statt.
„Türkischer Name? Spricht sicher kein Deutsch“. „Junge Frau? Wird sicher schwanger, ist nicht belastbar“ – solche Vorurteile sind es, die dazu sorgen, dass Bewerbungen einfach aussortiert werden.

Hier kommen Sie ins Spiel, liebe Bewerberinnen und Bewerber. Eben habe ich gesagt, dass ich mich auf die
Unternehmen hier freue. Doch mindestens genauso freue ich mich auf Sie! Nutzen Sie die Möglichkeit, die Personalchefs hier im persönlichen Gespräch überzeugen zu können! Nutzen Sie die Potentiale, die diese Messe Ihnen bietet – und zeigen Sie, dass Sie es sind, die die Zukunft für unser Land sind.

Vielen Dank.