Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Ansprache von Christine Lüders auf der Kundgebung zum Equal Pay Day

Anfang 21.03.2013
Ende 21.03.2013
Ort Brandenburger Tor, Berlin

Sehr geehrte Männer,
wir sind uns doch alle einig: Frauen müssen für die gleiche Arbeit das gleiche Geld verdienen. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Frauen bekommen in Deutschland im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger Geld als Männer – diese Lohnlücke ist, wir haben es gehört, bei uns viel größer als in den meisten anderen EU-Ländern.

Ich frage mich: Warum ist Deutschland bei den Jobs in der privaten Wirtschaft trauriger Spitzenreiter in Europa – mit einer Lücke von 26 Prozent? Warum verdienen zum Beispiel Frauen, die in sogenannten Frauenberufen Spitzenpositionen haben, EIN DRITTEL weniger als Männer?

Warum ist die Lohnlücke in den Industrieländern in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozent
zurückgegangen - in Deutschland dagegen um ein weiteres Prozent gestiegen? Ich sage: Wir dürfen es nicht länger tolerieren, dass Frauen bei gleichen und gleichwertgien Jobs und Befähigungen weniger verdienen. Das ist aber der Fall.

Zieht man alle strukturellen Unterschiede und das Problem der schlechteren Bezahlung von „Frauenberufen“ mal ab, dann bleiben immer noch acht Prozent Gehaltsunterschied – nur weil die Betroffenen Frauen sind. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist das ganz klar eine Diskriminierung und damit verboten. Ich würde mir wünschen, dass Sie, liebe Männer, das nicht nur bedauernd zur Kenntnis nehmen, sondern mit uns Frauen gemeinsam dagegen vorgehen – auch mit einer Quote für Frauen in Spitzenpositionen! Denn die ist dringend überfällig.

Sehr geehrte Frauen,
wenn Sie feststellen, dass sie bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit weniger verdienen, dann machen Sie Ihre Rechte geltend! Verlangen Sie, genauso bezahlt zu werden wie Ihre besser verdienenden männlichen Kollegen in einem vergleichbaren Job! Sie können auch rückwirkend einen Lohnausgleich geltend machen. Mein Appell an alle Frauen, die beim Lohn benachteiligt werden, lautet deshalb: Reden Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen.
Sprechen Sie mit Ihrem Betriebsrat, Ihrer Personalvertretung oder wenden Sie sich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes!

Nun habe ich noch einen Appell, diesmal an die Unternehmerinnen und Unternehmer: Ungleiche Entlohnung ist schlecht für das Klima in der Belegschaft. Wenn Sie zeigen wollen, dass Ihnen Entgeltgleichheit wichtig ist und Sie ein attraktiver Arbeitgeber sind, dann setzen sie endlich auf mehr Transparenz. Nur wer weiß, was die Kolleginnen und Kollegen verdienen, kann angemessen vergleichen.

Sehr geehrte Frauen, sehr geehrte Männer, jede und jeder sollte in dem Umfang arbeiten können, wie er oder sie es am besten mit der familiären Situation in Einklang bringt.Und niemand darf dafür beim Lohn benachteiligt werden.
Dafür müssen wir streiten – gemeinsam!