Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Grußwort von Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, zum 25. Geburtstag des Jugendnetzwerks Lambda am 28. August 2015 im Queeren Jugendhaus, Berlin

Anfang 28.08.2015

Liebes Lambda-Team!
Sehr geehrte Frau Ministerin Golze,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Klebba,
sehr geehrte Frau Ünsal,
liebe Gäste!

Ein Jugendnetzwerk wird 25 Jahre alt – das heißt, es hat selbst das Jugendalter schon eine Weile überschritten. Und das ist ein Grund zu feiern: Denn Lambda ist einzigartig. Als das Netzwerk 1990 kurz vor den ersten freien Wahlen der DDR am Zentralen Runden Tisch der Jugend gegründet wurde, gab es keine vergleichbare Organisation. Weder in Ost noch West. Eine Vertretung für lesbische, schwule, bisexuelle, Trans*- und intergeschlechtliche Jugendliche, die ihnen Raum gibt, sich zu entfalten, für ihre Rechte einzutreten, sie in Notsituationen unterstützt – das war neu.

Und es war überfällig. Denn Lambda hat nicht nur einfach überlebt. Der Verein ist auch noch gewachsen: Neben dem Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg feiert heute auch der Bundesverband sein 25-jähriges Bestehen! Dazu kommen noch sechs Landesverbände in Deutschland.

Heute ist Lambda ist vielerlei Gründen als Verein wichtiger als je zuvor: Nach wie vor brauchen lesbische, schwule, bisexuelle, Trans*- und intergeschlechtliche Jugendliche einen geschützten Raum, in dem sie sich selbst finden können und die Vielfalt junger Menschen wertgeschätzt wird. Dafür reichen keine virtuellen Räume, das geht nur, wenn es auch persönlichen Kontakt gibt. Und zwar einen, indem Jugendliche wirklich eine tragende Rolle spielen: Es ist daher gut, dass bei Lambda Selbstbestimmung und Mitentscheidung ganz oben auf der Agenda steht.

Lambda versteht sich aber auch ganz ausdrücklich als Demokratieprojekt, und das finde ich besonders wichtig. Denn: Unsere Demokratie, die ja unter anderem die Menschenwürde und die freie Entfaltung einer jeden Persönlichkeit zu ihren Grundpfeilern zählt, hat nach wie vor ihre Herausforderungen.
Das wissen wir alle. Ein Beispiel: Die sogenannten „besorgten Eltern“, die auf die Straße gehen, um gegen das Thema der sexuellen Vielfalt und eine angebliche „Frühsexualisierung“ in den Bildungsplänen zu demonstrieren. Vor diesem Hintergrund kann man gar nicht genug würdigen, dass Lambda als Verein mehr Akzeptanz für sexuelle Vielfalt in die Schulen bringt. Das Projekt „queer@school“ geht seit nunmehr fünf Jahren in die Schulen und klärt über queere Lebensweisen auf. Es baut Vorurteile gegenüber Homosexualität, Trans- und Intergeschlechtlichkeit ab. Vielen jungen Menschen hat es, da bin ich sicher, ihr Coming Out erleichtert.

Ganz besonders loben möchte ich auch die Jugendberatung In&Out. Hier können sich junge Menschen nicht nur zu ihrem Coming Out beraten lassen, sondern auch zu allen Fragen rund um Liebe, Sexualität und Geschlecht. Es ist wichtig, dass queere Jugendliche Ansprechpersonen haben, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Liebe Gäste,
ich habe bereits die sogenannten „besorgten Eltern“ angesprochen. Oft gehen Gruppen wie diese eine unheilige Allianz ein mit Rassisten, Antifeministen und anderen vom rechten Rand. Umso mehr freut mich, dass Lambda sich nicht allein gegen Homo- und Transphobie, sondern auch gegen Rassismus sowie gegen Diskriminierung aufgrund von Behinderung einsetzt. Der Verein lebt diesen Anspruch auch ganz praktisch: Es ist schön zu sehen, dass die Bemühungen um ein barrierefreies Jugendzentrum Früchte getragen haben und wir uns heute in diesem schönen Gebäude treffen können.

Liebe Zuhörende, mit Beratung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit setzt sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, deren Leiterin ich bin, unter anderem für die Belange von LSBTI ein. Einige unserer wichtigsten Themen in diesem Bereich sind derzeit: der Einsatz für einen europaweit einheitlichen Diskriminierungsschutz, die Öffnung der Ehe, sowie die Rehabilitierung und Entschädigung aller Opfer des Paragrafen 175.

Derzeit begehen wir das Themenjahr „Gleiches Recht. Jedes Geschlecht“. Dabei setzen wir uns insbesondere auch für die Rechte von trans- und intergeschlechtlichen Menschen ein, unter anderem mit einer großen Fachtagung im Oktober. Ich möchte Sie sehr herzlich dazu einladen. Diese Einladung verbinde ich mit dem Wunsch, dass wir auch über diesen Festtag hinaus unseren engen Kontakt fortsetzen. Denn Ihre und eure Erfahrungen und auch eure Perspektive sind für die Antidiskriminierungsstelle extrem wichtig.

Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal allen Engagierten und Freiwilligen danken, die Lambda zu dem erfolgreichen Verein gemacht haben, der er heute ist. Und das mit ganz vorwiegend ehrenamtlicher Arbeit! Auch weiterhin werden queere Jugendliche Unterstützung brauchen und sie hier finden. Das ist gut so. Denn: Zu tun gibt es für uns alle noch genug. Vielen Dank!