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Preisverleihung von "fair@school" 2021

Schulen aus Maintal, Schwandorf, Brühl und Münster ausgezeichnet für Fairness, Gleichbehandlung und Respekt  

Die besten vier von 64 Projekten ausgezeichnet

fair@school im Netz

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website des Schulwettbewerbs.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und der Cornelsen Verlag haben am 15. Juni 2021 im Rahmen des Wettbewerbs „fair@school – Schulen gegen Diskriminierung“ bereits zum fünften Mal vorbildhafte Projekte ausgezeichnet, die sich gegen Diskriminierung und für Chancengerechtigkeit im Schulalltag einsetzen. An den vergangenen vier Durchgängen haben sich mehr als 270 Schulen beteiligt.

In diesem Jahr reichten 64 engagierte Schulen Projekte ein. Eine zwölfköpfige Fachjury wählte nach einer Sichtung des Zentrums für Bildungsintegration (ZBI) der Stiftung Universität Hildesheim die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Anders als gewohnt fand die festliche Preisverleihung in diesem Jahr pandemiebedingt als Online-Veranstaltung statt.

Wir möchten mit dem Schulwettbewerb Vorbilder zeigen. Denn wir alle wissen: Diskriminierung und Ausgrenzung kann es an jeder Schule geben. Egal, ob durch andere Schüler*innen, durch Lehrkräfte oder auch durch Strukturen, die Kinder und Jugendliche benachteiligen, zum Beispiel durch fehlende Barrierefreiheit.

bei der Preisverleihung.

Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Den ersten Preis in Höhe von 3.000 Euro erhielt das Albert-Einstein-Gymnasium Maintal (Hessen). Die Schüler*innengruppe „AES gegen Diskriminierung – AES für Vielfalt“ hat sich nach dem Attentat von Hanau als Selbstinitiative gegründet, die Diskriminierung bekämpfen will. Dazu hat sie in Eigenregie ein Gedenkvideo zu Hanau gedreht, eine virtuelle Bibliothek gegen Diskriminierung gegründet und Anti-Sexismus-Plakate sowie einen Flyer mit Infos zu den Aktivitäten der Gruppe erstellt.

Der zweite Preis in Höhe von 2.000 Euro ging an das Berufliche Schulzentrum I Oskar-von-Miller Schwandorf (Bayern). Das Projekt „W.I.R. - Weil international rockt“ ist mehr als nur eine Schüler*innenzeitung. Seit 2016 arbeiten Schüler*innen mit und ohne Fluchthintergrund auf einzigartige Art und Weise zusammen, um für Toleranz und für ein besseres Miteinander zu werben – auch mit dem Rap „Weil international rockt“ und der Zeitungsausgabe „Bunt ist unsere Lieblingsfarbe“.

Erstmals bei „fair@school – Schulen gegen Diskriminierung“ vergab die Fachjury zwei dritte Preise in Höhe von jeweils 1.000 Euro – zum einen an die Gesamtschule der Stadt Brühl (Nordrhein-Westfalen). Die Schüler*innenzeitung „Unter dem Regenbogen“ setzt ein Zeichen für geschlechtliche Vielfalt und für ein offenes Schulklima. Die Zeitungsmacher*innen haben neben ihrer journalistischen Arbeit bereits mehrere richtungsweisende Projekte angestoßen wie ein angepasstes Schullogo mit Regenbogen oder eine LSBTIQA*-Abteilung in der Schulbibliothek.

Ebenfalls den dritten Preis erhielt die Gesamtschule Münster Mitte (Nordrhein-Westfalen). Das Projekt „Gemeinsam für Vielfalt und Respekt/ Fairnetz(t)“ basiert auf dem seit 2018 bestehenden Schulkonzept „Fairnetz(t)“. Alle Lehrkräfte wurden zu Rassismus geschult. Die Zusammenarbeit mit den Schüler*innen und der Elternschaft ist eng und kooperativ – auch bei der pandemiebedingt erst für einen Teil der Schüler‘*innen durchgeführten Projektwoche. Geplant sind überdies Empowerment-Workshops, ein Arbeitskreis zu Rassismus und eine Anlaufstelle für Beschwerden zur Bearbeitung und Verhinderung von Diskriminierungsfällen.

Videobeiträge zu den Preisträger*innen

Albert-Einstein-Gymnasium Maintal (Hessen)

Initiative „AES gegen Diskriminierung – AES für Vielfalt“

Berufliches Schulzentrum I Oskar-von-Miller Schwandorf (Bayern)

Projekt „W.I.R. - Weil international rockt“

Gesamtschule der Stadt Brühl (Nordrhein-Westfalen)

Schüler*innenzeitung „Unter dem Regenbogen“

Gesamtschule Münster Mitte (Nordrhein-Westfalen)

Projekt „Gemeinsam für Vielfalt und Respekt / Fairnetz(t)“

Die Plätze Fünf bis Zehn

Die Jury hat bei ihrer Sitzung am 5. Mai 2021 einhellig festgestellt, dass alle der zehn Beiträge, die es unter die besten zehn geschafft haben, Erwähnung finden sollten. Deshalb stellen wir Ihnen hier kurz und mit Zitaten der Jurymitglieder versehen, auch diese Beiträge vor.

Platz 5: „Projektkurs Naher Osten“, Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, Berlin

Eine durch einen Schüler initiierte Auseinandersetzung mit dem Nahost-Konflikt. Dieser Konflikt ist aufgrund familiärer/ biographischer Bezüge für viele Schüler*innen der Schule ein wichtiges und emotional aufgeladenes Thema, dessen Komplexität im Schulalltag nie gerecht werden kann. Zudem wird der Schüler*innenschaft oft zugeschrieben, nicht politisch interessiert zu sein bzw. nicht bereit zu sein für diese Auseinandersetzung und auch eine solche Reise. Die Gemeinschaftsschule Rütli hat sich auf den Weg gemacht, um den Nahostkonflikt näher zu beleuchten. Hierbei wurde eigene Auffassungen des Konfliktes kritisch hinterfragt. Zwei Höhepunkte dieses Projekts waren eine Reise nach Israel und ein sehr gelungenes Comic. Es gibt eine ausführliche Handreichung, die sowohl nachzeichnet, wie das Projekt gelaufen ist, wie auch anderen Schulen Hinweise gibt, selbst ein solches Projekt in Angriff zu nehmen.

Mich überzeugt hier vor allem das Anknüpfen an die konkrete Lebenswelt der Jugendlichen, und dass sie offenbar mit ihren Erfahrungen sehr ernst genommen werden.

bei der Jurysitzung.

Prof. em. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Universität Hamburg

Platz 6: „Klare Worte-aber respektvoll", Mittelschule an der Wiesentfelser Straße, Bayern

Das Projekt befasst sich mit Sprachgewalt und Gewalt durch Sprache und will bei Jugendlichen ein kritisches Sprachbewusstsein fördern. Darüber soll die Klassengemeinschaft zu einer gewaltfreien Gemeinschaft werden. Sprache wird untersucht in Hinblick auf Populismus, Diskriminierung, Hate Speech, Fake News etc. Welche Sprache wird in meiner persönlichen Umgebung gesprochen und was macht das mit mir? Welche Worte benutzen wir, unsere Eltern, unsere Lehrer*innen? Wie fühlt es sich an, Opfer sprachlicher Gewalt zu sein oder sprachliche Gewalt auszuüben? In Rollenspielen werden Konfliktsituationen nachgespielt.

Diskriminerung beginnt bei der Sprache und Sprache ist sehr wirkmächtig. Dieses Projekt fördert die Sensibilisierung für diskriminierende Sprache im Alltag, im Unterricht und auf dem Schulhof und fördert den reflektierten Umgang mit Sprache.

bei der Jurysitzung.

Monika Gessat, Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Bundesausschuss Migration, Diversity, Antidiskriminierung

Platz 7: „Brücken bauen mit Musik“, Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen, Saarland

Musik AG im Nachmittagsangebot der Schule mit dem Schwerpunkt „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Die Teilnehmer*innen lernten die Kraft der Worte kennen – zur Artikulation der eigenen Meinung, zur gewaltfreien Lösung von Konflikten, zur Mobilisierung von Gleichgesinnten – und erlernten die notwendigen Schritte, um einen eigenen Song zum Thema Toleranz/ Anti-Rassismus zu schreiben. Eigene Erfahrungen und Themen werden eingebracht. Die in der AG entstandene Friedenshymne „Molotov zum Blumenstrauß“ belegte Platz 1 beim Eine-Welt-Songcontest des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, was ein großes Medienecho hervorrief, das Video erreichte in Kürze 70.000 Aufrufe.

Ein toller Ansatz, das so komplexe Thema Diskriminierungsschutz mit Schwerpunkt auf Antirassismus und LGBTIQ kreativ mit Musik anzugehen. Es sind tolle Songs mit wichtigen Botschaften entstanden. Respekt!

bei der Jurysitzung.

Dr. Sandra Reitz, Abteilungsleitung Menschenrechtsbildung im Deutschen Institut für Menschenrechte

Platz 8: „Erarbeitung eines Schutzkonzeptes gegen sexualisierte Gewalt für die Richard-Müller-Schule“, Richard-Müller-Schule Kaufmännische Schulen der Stadt Fulda, Hessen

Das Präventionsteam der Richard-Müller-Schule erarbeitet seit 2018 ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt für die Schule, dabei wird sich am Leitfaden des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs orientiert. Die Handlungsempfehlungen werden überprüft und an die Bedürfnisse der Schule angepasst. Dafür wurden das gesamte Kollegium und die gesamte Schüler*innenschaft online zu Risiken, Unterstützungswünschen und Hilfebedarf befragt. Daraus wurden konkrete Präventionsangebote für Schüler*innen abgeleitet und es wurde sichtbar, wo im Kollegium Unsicherheiten bestehen und welche Schwächen bspw. innerhalb der schulischen Kommunikationsstrategien bestehen. Es folgten Weiterbildungsangebote für das Kollegium und ein Pädagogischer Tag zum Thema Gewaltprävention mit verschiedene Workshops. Bei Schulfesten und dem fest etablierten „Tag gegen Rassismus“ sind Beratungsstellen und Organisationen in der Schule präsent. Einige Beratungslehrer*innen und Sozialarbeiter*innen haben sich weiterbilden lassen und es gab ein Theaterprojekt zu „Gewalt im Namen der Ehre“. Ausgehend von den Ergebnissen der Risikoanalyse wird derzeit ein Verhaltenskodex für die Schule erarbeitet, an dessen Erarbeitungsprozess möglichst viele Schüler*innen und Kolleg*innen partizipieren sollen.

Schutz vor sexualisierter Gewalt und übergriffigem Verhalten sind eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität und Lernerfolg von Schüler*innen. Das Projekt hat diese Themen in einem umfassenden Prozess mit allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft thematisiert und damit eine vorbildliche Grundlage für sicheren Umgang mit Vorfällen geschaffen. 

bei der Jurysitzung.

Rebecca Knecht, Bundesverband Queere Bildung (Vorstand)

Platz 9: Diversity Tage in den Jahrgängen 7 bis 10 am MRG“, Margaretha-Rothe-Gymnasium, Hamburg

Am ersten Freitag eines Schuljahres findet seit dem Schuljahr 18/19 ein Diversity Tag mit wechselnden Schwerpunkten statt. Schüler*innen der Jahrgänge 7 bis 10 nehmen an diesem Tag an Diversity-Trainings mit verschiedenen Schwerpunkten teil. Schüler*innen werden unterstützt, sich entsprechend ihrer individuellen Prägung zu entwickeln, sie werden sensibilisiert für Zuschreibungen und Machtverhältnisse und vor Einschränkungen und Benachteiligungen geschützt. Bereits 2010 hat die Schule in Kooperation mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung ein verbindliches Diversity-Training für die Oberstufe entwickelt. 21 Kolleg*innen haben sich zu Diversity-Trainer*innen ausbilden lassen.

Anti-Bias-Wochen fest zu etablieren hat am Margaretha-Rothe-Gymnasium zu einem spürbaren Rückgang von Mobbing und Diskriminierung geführt. Das ist ein großartiger Erfolg. 

bei der Jurysitzung.

Gonka Türkeli-Dehnert, Geschäftsführerin der Deutschlandstiftung Integration

Platz 10: „Wir machen Radio gegen Diskriminierung“, Wilma-Rudolph-Oberschule, Berlin

Erstellung einer sehr professionellen Radiosendung zum Thema Diskriminierung durch zehn Schüler*innen der Jahrgänge 8-12, dabei liegt der Fokus auf der Sprache. In Vorbereitung der Radiosendung wurde eine Umfrage zu Diskriminierung an der Schule durchgeführt, die Ergebnisse davon werden in der Sendung aufgegriffen. Die Sendung informiert, klärt auf, kritisiert, regt an und gibt am Ende Ideen für weitere Auseinandersetzung und Bekämpfung von Diskriminierung an der Schule.

"Radio gegen Diskriminierung" ist ein sehr kreatives Projekt, welches sich durch den Ideenreichtum der beteiligten Schülerinnen und Schüler und die Akzeptanz in der Schule auszeichnet.

bei der Jurysitzung.

Marco Rill, Preisträger des Deutschen Lehrerpreises 2019

Praxisleitfaden

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