Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Ausländerklauseln im deutschen Mannschaftssport

Datum 28.08.2017

In letzter Zeit erreichten die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) vermehrt Anfragen zu sogenannten Ausländerklauseln im Profi- und Amateursport. Dabei handelt es sich um Regelungen, denen zufolge bei Wettkämpfen nur eine begrenzte Anzahl von Spieler_innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit aufgestellt werden darf.

So können aufgrund von freiwilligen Selbstbeschränkungen der Vereine innerhalb der Deutschen Eishockey Liga (DEL) maximal neun und innerhalb der Zweiten Eishockey Liga (DEL2) maximal vier Ausländer_innen pro Team an einem Spiel teilnehmen. In der Bayerischen Bezirksliga hat das Schiedsgericht des Deutschen Eishockey Bundes erst letztes Jahr eine in der Verbandssatzung verankerte Ausländerbegrenzung gekippt. Nun planen die Vereine auch dort eine freiwillige Selbstbeschränkung einzuführen.

n der Basketball-Bundesliga dürfen maximal sechs Ausländer_innen im Kader stehen, in der Zweiten Liga (ProA) sind es höchstens drei und in der Dritten Liga (ProB) waren es bis vor Kurzem sogar nur zwei. Auf den Druck eines Vereins hin hat die ProB im Mai 2017 ihre Ausländerregelung durch eine sogenannte "Local Player"-Regel ersetzt. Danach wird nun nicht mehr an das Merkmal der Staatsangehörigkeit, sondern an das Kriterium der in einem Verein des Deutschen Basketballbundes (DBB) durchlaufenen Ausbildungs- und Spielzeit angeknüpft.

Im Handball forderte der damalige Bundestrainer Martin Heuberger 2013 die Handball-Bundesliga dazu auf, endlich auch eine solche freiwillige Selbstbeschränkung einzuführen, um so den deutschen Nachwuchs zu fördern.

Dabei hat schon 1995 der Europäische Gerichtshof (EuGH) in seiner Bosman-Entscheidung (EuGH, 15.12.1995 – C-415/93) eben solche Ausländerklauseln in den Verbandssatzungen der professionellen Fußballverbände für unvereinbar mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union erklärt. Die nun in anderen Sportarten praktizierten Beschränkungen stellen nach Ansicht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes teilweise eine Umgehung der Bosman-Rechtsprechung dar und sind dementsprechend ebenso wenig mit EU-Recht vereinbar.

Abgesehen davon verstößt ein Verein, der eine_n Spieler_in aufgrund dieser Regelung nicht einstellt, gegen das Verbot der beschäftigungsbezogenen Benachteiligung aufgrund der ethnischen Herkunft.

Auch wenn es sich bei der Nachwuchsförderung möglicherweise um einen legitimen Zweck handelt, so kann dieser durch alternative Regelungen und Maßnahmen, die nicht an die ethnische Herkunft anknüpfen, auf weitaus diskriminierungsfreiere sowie europarechtskonforme Art und Weise erreicht werden.