Navigation und Service

Einstellungen gegenüber lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen in Deutschland

Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage

- Steckbrief zum Forschungsprojekt -

Autor*innen: Prof. Dr. Beate Küpper, Hochschule Niederrhein, Dr. Ulrich Klocke (Humboldt-Universität zu Berlin), Lena-Carlotta Hoffmann (Hochschule Niederrhein), im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) Erscheinungsjahr: 2017

Kurzüberblick

Die Studie verfolgt das Ziel, einen aktuellen Überblick über die Einstellungen der Bevölkerung in Deutschland gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen (LSB) zu geben. Zudem sollten die Meinungen zu Fragen der rechtlichen Gleichstellung und zur Behandlung des Themas sexuelle Vielfalt in der Schule ermittelt werden. Grundlage bildet eine bundesweite telefonische Befragung von rund 2.000 Befragten ab einem Alter von 16 Jahren. Die Umfrage wurde vom 4. Oktober bis 29. November 2016 durch das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum GmbH in Duisburg (SUZ) durchgeführt.

Wichtigste Ergebnisse

In Bezug auf Formen klassischer Homophobie – also das offene Abwerten von Homosexualität als unmoralisch oder unnatürlich sowie das Absprechen gleicher Rechte – setzt sich ein positiver Trend fort: Solche Positionen werden nur mehr von einem kleinen Teil der Bevölkerung geteilt (12 Prozent).

Zum Zeitpunkt der Befragung – also wenige Monate vor dem Beschluss des Deutschen Bundestages zur Öffnung der Ehe – stimmten 83 Prozent der Befragten eher oder voll und ganz zu, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt sein sollte. Eine Mehrheit sprach sich auch für gleiche Rechte in Bezug auf Adoption und Unterstützung bei künstlichen Befruchtungen aus, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau.

Moderne bzw. subtile Formen von Homophobiez.B. die Ablehnung der Sichtbarkeit von Homosexualität in der Öffentlichkeit oder der Thematisierung in den Medien – sind weiterverbreitet als Formen klassischer Homophobie. So sind beispielsweise 44 Prozent der Ansicht, Homosexuelle sollten aufhören, „so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen“.

Dies zeigt sich auch bei der affektiven Komponente von Vorurteilen, bei der es um die Gefühle gegenüber einer bestimmten Gruppe geht. So verbinden relativ viele Befragte negative Gefühle mit einem offenen Umgang mit Homosexualität in der Öffentlichkeit: 28 bzw. 38 Prozent ist es unangenehm, wenn sich zwei Frauen bzw. zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen.

90 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Schulen den Schüler*innen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen vermitteln sollen. Ein Teil der Befragten lehnt die konkreten Mittel zum Erreichen dieses Ziels jedoch ab: So ist beispielsweise gut ein Viertel der Befragten der Ansicht, dass in der Schule nur Paare aus Mann und Frau vorkommen sollten, wenn es um Liebe und Partnerschaft geht.

Befragte, die wissen, dass das Ziel der Bildungspläne die Akzeptanzvermittlung gegenüber LSB ist und nicht die Ermunterung zum Ausprobieren unterschiedlicher Sexualpraktiken, sprechen sich deutlich häufiger für die Berücksichtigung des Themas sexueller Vielfalt im Schulunterricht aus.

Handlungsoptionen

  • Beseitigung rechtlicher Ungleichbehandlungen und Überprüfung von Regelungen in Organisationen und Unternehmen nach den Vorgaben des Gleichbehandlungsgebots und des Diskriminierungsverbots;
  • Aufklärung über Homosexualität und gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Sensibilisierung auch für moderne, subtile Formen der Abwertung;
  • Verankerung des Themas sexuelle Vielfalt in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften im Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich oder auch der Polizei;
  • Stärkere und selbstverständliche Thematisierung und Sichtbarmachung sexueller Vielfalt in verschiedenen Lebensbereichen, ohne dabei Homo- und Bisexualität als „Abweichung von der Norm“ darzustellen oder das Thema Sexualität übermäßig zu betonen;
  • Vermittlung von Wissen über die Ziele der Bildungspläne zur Berücksichtigung sexueller Vielfalt in der Schule, um Fehlinformationen und Gerüchten entgegenzuwirken;
  • Verstetigung einer differenzierten Erhebung von Bevölkerungseinstellungen gegenüber LSB-Personen und stärkere Berücksichtigung von Haltungen gegenüber trans* und intergeschlechtlichen Menschen.