Diskriminierung aufgrund der Wechseljahre: Fachleute beraten über Empfehlungen an Politik und Arbeitgeber 20.01.2026
- Mehr als neun Millionen Frauen in Deutschland befinden sich in den Wechseljahren
- Rund 85 Prozent geben an, unter Beschwerden zu leiden, mit konkreten Folgen für Arbeitsplatz und Wirtschaft
- Antidiskriminierungsbeauftragte gründet „Gremium Wechseljahre und Diskriminierung“ und erarbeitet Strategien für Betroffene und Unternehmen
In der Öffentlichkeit ist das Thema Wechseljahre nach wie vor ein Tabu und schambehaftet. Chronische Müdigkeit, Hitzewallungen, Inkontinenz - vor allem am Arbeitsplatz befürchten viele Frauen, deshalb stigmatisiert und diskriminiert zu werden. Studien zeigen: Wechseljahre und die damit einhergehenden Beschwerden beeinflussen die Karrieren von Frauen negativ. Jede dritte Frau fühlt sich der Studie „MenoSupport“ zufolge durch die Wechseljahre bei der Arbeit beeinträchtigt. Nach einer aktuellen Studie der DAK empfindet fast jede zweite Frau zwischen 40 und 62 Jahren die Beeinträchtigungen als stark. Viele sehen sich gezwungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder sogar ihren Job zu kündigen.
Um Vorschläge zu erarbeiten, wie Betroffene besser unterstützt werden können, nimmt am heutigen Dienstag ein Kreis aus Sachverständigen seine Arbeit zum Thema „Wechseljahre und Diskriminierung“ auf. Das erste interdisziplinäre Gremium in Deutschland zu dem Thema setzt sich unter anderem zusammen aus Expertinnen und Experten der Gynäkologie, der Wirtschaftswissenschaft und des Arbeitsrechts und wird geleitet von Miriam Stein und Franzi von Kempis. Die Ergebnisse will die Unabhängige Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, im Herbst als Handlungsempfehlungen für Deutschland vorlegen. Methodisch orientiert sich das Projekt an den 2022 von der britischen Regierung veröffentlichten Empfehlungen "Menopause in the Workplace".
„Frauen in den Wechseljahren brauchen Unterstützung statt Ignoranz. Viele Frauen reduzieren deswegen ihre Arbeit oder verlassen die Arbeitswelt früher. Das schadet auch der Wirtschaft, der errechnete Schaden liegt bei 9,4 Milliarden Euro jährlich. Wir brauchen Lösungen für die Betroffenen - und zwar für alle Frauen, unabhängig von ihrer Herkunft, Bildung oder Einkommenssituation. Gerade ärmere Frauen in prekären Arbeitsbedingungen finden bisher kaum Unterstützung. Arbeitgeber, Politik, Medizin und Forschung sind hier gefordert“
, sagte Ataman vor der Auftaktsitzung am Dienstag.
Das bestätigt auch Miriam Stein: „Die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland ist, wird oder war von den Wechseljahren betroffen. Trotzdem wird das Thema in der medizinischen Ausbildung kaum behandelt, Ärztinnen sind nicht ausreichend vorbereitet. In unserem Netzwerk“ #wirsind9millionen“ haben wir gesehen: Die Wechseljahre treffen nicht alle Frauen gleich. Frauen mit Migrationsgeschichte, aus dem ländlichen Raum oder mit geringem Einkommen sind doppelt betroffen – von stärkeren Symptomen und von schlechterer Versorgung. Das sind keine Privatprobleme, sondern ein strukturelles Versäumnis. Wir verlieren Fachkräfte, weil Politik, Medizin und Arbeitgeber das Thema noch nicht genügend in den Blick nehmen.
"
Die Beratungen des Gremiums werden in die Empfehlungen einfließen, die die Antidiskriminierungsbeauftragte im Herbst 2026 vorlegen will. Neben den Erkenntnissen der Expertinnen und Experten werden auch Interviews mit Frauen in dieser Lebensphase hinzugezogen.